#oldschool meets modern – sind unsere gesellschaftlichen Klischees im 21. Jahrhundert Willkommen?

Das ist definitiv eines dieser Themen, wo sich die Meinungen wieder in diverse Lager teilen, auch wenn ich mir mit diesem Beitrag nicht viel Begeisterung ernte, finde ich, dass es dennoch mal angesprochen gehört. Wieso haben wir noch immer so viele Vorurteile und Klischees, die so überhaupt nicht in unsere moderne Welt passen, die überhaupt nichts im weltoffenen hippen 21. Jahrhundert verloren haben? In vielerlei Hinsicht entwickelt sich unsere Welt und Gesellschaft rasend schnell, nur passen wir in den zwischenmenschlichen Beziehungen dieses Tempo, diese Toleranz nicht an und das finde ich ist sehr schade. Wir und damit meine ich in erster Linie uns Österreicher, denn da haben wir einen großen Aufholbedarf gegenüber anderen Ländern. In vielen nichteuropäischen und europäischen Ländern herrscht mehr Offenheit, mehr Gleichberechtigung, mehr Verständnis gegen den Mainstream als es in unserem Land der Fall ist. Vermutlich liegt es einfach an unserer bequemen Gesellschaft, denn alles was funktioniert ist gut solange es funktioniert, da ist es auch nicht notwendig Taten, Einstellungen und Grundsätze zu überdenken, denn die waren ja immer schon so, richtig oder?

Wir befinden uns in einer Zeit des Überdenkens und des Handeln: gesellschaftliche, umweltpolitische Themen können nicht mehr verschoben werden, denn die Zeit zum Handeln ist jetzt. Genauso läd diese Situation auch zum Überdenken des einen oder anderen Klischees ein. Viel zu sehr halten wir hier noch die verstaubten Bilder unserer Vor- und Vorgenerationen aufrecht. Klassische Bilder wie zu einer langen Partnerschaft gehört auch eine Ehe, zu einer Ehe gehört ein Kind, zu einer Familie gehört ein Eigenheim und bei zwei Kindern braucht die Frau nicht mehr arbeiten zu gehen, in Führungspositionen gehören nur Männer und das es normal ist, dass Frauen für gleiche Arbeitstätigkeiten weniger verdienen als Männer. Ist man heute als Frau Ü30 und hat keinen Nachwuchs, wird schon gemunkelt was denn der Grund dafür sei. Sind Paare länger liiert und wohnen zusammen stellen sich viele die Frage, wann denn geheiratet wird usw. – hier könnte ich noch etliche Beispiele bringen, wie ihr das Eine oder Andere bestimmt auch selbst schon erlebt habt. Die heutige Gesellschaft akzeptiert noch immer nicht den Weg eines jeden Menschen sondern möchte vielmehr sehen, dass jeder den quasi “vorgegeben” Weg annimmt. Entscheiden wir uns dagegen, tanzen wir aus der Reihe, sind wir dann Revolutionäre? Jein. Viele Millionen Menschen vor uns haben es uns bereits vorgelebt. Das wir heute die Möglichkeit haben, das zu tun, was wir tun wollen, sollten wir dennoch als Privileg ansehen. In etlichen Ländern dieser Welt ist ein eigenständiges Handeln besonders als Frau noch immer nicht möglich, nicht geduldet, nicht erwünscht. Wir haben das Glück in einem Land aufzuwachen, wo ein jeder frei über seine Zukunft entscheiden darf und das ist ein Geschenk. Wählen wir den Weg, den wir für richtig halten, sind wir dennoch keine Revolutionäre, aber Vorreiter. Jeder der Mut zur Veränderung hat, der den Schritt zum Anderssein wählt, hat meiner Ansicht nach einen Beitrag zu einer toleranteren Zukunft geleistet. Einer Zukunft die offen für Veränderungen, für Neues und für Multikulturelles ist.

Wer nun meint, dass ich die klassischen Rollenverteilungen, die gesellschaftlichen Klischees nicht akzeptiere liegt falsch. Ich finde, dass heutzutage einfach mehr Toleranz und Akzeptanz notwendig ist. Nicht alte Wege gutheißen bevor man neue überhaupt ausprobiert hat. Natürlich ist diese Einstellung, meine Meinung zu dieser Thematik nicht über Nacht erstanden. Vielmehr habe ich in den letzten Jahren einfach immer mehr dazugelernt, neue Menschen und Kulturen kennen gelernt und mehr und mehr gemerkt, dass es für mich weitaus wichtigeres im Leben gibt, als Klischees zu erfüllen.

Vielmehr zählen für mich meine eigenen Erwartungen und Ziele zu erfüllen. Erwartungen, die man nicht anhand von Gegenständen, Urkunden oder Geld am Konto messen kann, sondern nur durch das wirkliche Leben, durch Momente die zählen, die für immer unvergesslich bleiben und die wir in uns tragen. Für Erwartungen die unsere Einstellung, unsere Sichtweise ändern, uns ein klein wenig anders denken lassen, anders aber dennoch richtig.

Ich möchte euch nur nochmals bewusst machen, dass jeder von euch jederzeit die Wahl hat, seinen eigenen Weg zu gehen. Einen Weg der nur für euch selbst richtig sein sollte, nicht für eure Familie, nicht für eure Freunde und erst recht nicht für die Gesellschaft. Es gibt nichts Schlimmeres als eine Entscheidung zu treffen nur um es jeden recht zu machen, jedem außer einem selbst. Warum ich gerade dieses Thema anspreche? Weil ich in meinem Leben schon viel zu oft Menschen begegnet bin, die sich sichtlich unwohl in ihrer jetzigen Situation fühlen, die lieber einige Jahre zuvor eine andere Entscheidung getroffen hätten. Eine Entscheidung die sie nun bereuen und meine Lieben, es gibt bestimmt nichts Schlimmeres als sich ein Leben lang zu fragen: Was wäre wenn? Immer wieder darüber zu grübeln, warum man damals nicht den anderen Weg eingeschlagen hat. Oftmals reicht es, den Mut zu haben, dass man ein klein wenig anders ist, ein kleines bisschen aus der Menge sticht, nicht den Mainstream teilt und nicht brav die klassischen Klischees abarbeitet. Einfach den Mut zu haben, dass man sich selbst an die erste Stelle stellt, denn es ist wichtig und richtig, dass wir machen, was wir für gut befinden. Das wir den Mut zu Veränderungen nicht verlieren, ebenso nicht die Toleranz für eine moderne Zukunft fernab von verstaubten gesellschaftlichem Denken.

accept nothing. appreciate everything ♡