Pandemie – Was nun?

Ein bisschen Panik, Angst, Chaos, Ausnahmezustand und ganz viele gemischte Gefühle. Das alles würde die letzten Tage recht gut beschreiben. All diese Gefühle dürfen da sein, ich lasse sie auch zu, denn wir befinden uns alle in einer Ausnahmesituation. Jeder der dies ignoriert, verdrängt die aktuelle Situation nur und irgendwann holt bekanntlich jeden die Realität ein. Oft wache ich morgens auf und für ein paar Sekunden scheint alles normal zu sein. Mein Wecker läutet wie gewohnt, von draußen scheinen bereits ein paar Sonnenstrahlen durch das Fenster und die Vögel singen ihr Lied. Dieser Moment könnte immer ewig andauern, der Moment zwischen dem Aufwachen, den realisieren der Umgebung und der allgemeinen Situation. Stille. Doch dann fällt mir alles wieder ein: draußen ist es bereits hell, weil ich länger geschlafen habe, weil ich nun nicht mehr so früh aufstehe, da ich im home office mode bin. Ich bin Zuhause da wir alle Daheim sein müssen, wegen der Pandemie. Und da ist sie wieder, die liebe Realität – mit einem Schlag.

Wochen schon hab ich die Situation in China mit einem unguten Gefühl verfolgt. Hab mir aber mehr Sorgen um unsere Wirtschaft in Europa gemacht, nicht um unsere Gesundheit. Niemals hätte ich gedacht, dass wir jemals in so eine – noch immer – unreal wirkende Situation kommen würden. Erst als die Situation in Italien immer ernst zunehmender wurde, begannen sich auch in Österreich viele Gedanken über die Zukunft zu machen. Es war Freitag vor zwei Wochen als wir ein kurzfrist einberufenes Meeting in der Firma hatten, mit dabei nur die wichtigsten Personen im Unternehmen. Fazit vom Meeting: jeder verließ den Raum mit einem so genannten Notfallkoffer / Laptop in der Hand. Damals – vor zwei Wochen – lachten wir noch, machten Scherze und sagten, es ist nur zur Sicherheit und wir würden den Laptop niemals brauchen. Von da an überschlugen sich die Ereignisse nur mehr, beinahe stündlich gab es neue Hiobsbotschaften. Drei Tage später haben die ersten Kollegen bereits von Zuhause aus gearbeitet, die Reihen im Büro lichteten sich und auch ich habe meine wichtigsten Sachen am Arbeitsplatz gepackt und werkle nun von Zuhause aus. So schnell kann sich unser Leben von 0 um 180° wandeln.

Als schlimmsten Tag erlebte ich für mich den Freitag vor einer Woche. Ausgerechnet auch noch ein Freitag der 13te, nicht das ich abergläubisch wäre, dennoch hat man an so einem Tag irgendwie immer ein ungutes Gefühl und hofft, dass alles gut geht. Es war der Tag, an dem wir wieder eine Besprechung nach der anderen hatten und plötzlich wurde uns nahe gelegt: geht jetzt am Vormittag noch die wichtigsten Dinge einkaufen, schaut das ihr ausreichend versorgt seid und von Zuhause aus arbeiten könnt. Von diesem Moment an wussten wir alle, jetzt ist es ernst. Zu Mittag gab es eine Pressekonferenz von unserem Bundeskanzler, niemand wusste, mit welchen Konsequenzen und alle gingen vom Schlimmsten aus – ein Shutdown. Also gingen wir einkaufen, auf diese tolle Idee kamen noch etliche andere Mitmenschen, ich muss sagen, dass ich trotzdem dankbar für diese Möglichkeit und auch unser Informationssystem im Unternehmen bin. Wären wir erst am Nachmittag oder abends einkaufen gegangen, hätte es nichts mehr gegeben. Ich habe keinen Hamsterkauf gemacht, nur einen normalen Wocheneinkauf und hab im Drogeriemarkt ein paar notwendige Dinge besorgt. Ich war einfach nur entsetzt, die Leute haben gekauft – in Unmassen, die Regale waren komplett leer gefegt. Es herrschte ein Gedränge in den Reihen, die Stimmung war zum Zerreisen angespannt, die Schlangen an den Kassen waren unglaublich und jeder kaufte Toilettenpapier. Btw: Das wird wohl für immer an der Pandemie Covid 19 hängen bleiben – die Toilettenpapier Hamsterkäufe.

Nach diesem Freitag verbrachte ich ein recht ungemütliches Wochenende mit vielen Gedanken und Sorgen. Sorgen um unsere Zukunft – wird es die Welt wie wir sie kennen jemals wieder geben? Nein, wird es nicht und das wäre auch gut so, in vielen Bereichen war unser Lebensstil nicht vorbildhaft, hoffentlich erfolgt jetzt ein Umdenken in Sachen Regionalität, Konsum und Umweltschutz. Es muss nicht alles immer 24 Stunden / 7 Tage die Woche verfügbar sein. Warum nicht einmal ein paar Euro mehr ausgeben, dafür bewusst Produkte aus der Heimat kaufen und regionale Unternehmen unterstützen? Wir waren es einfach gewohnt, immer und überall unseren Konsum zu stillen, durch das Internet kaufen wir noch sparsamer ein, billig und eine halbwegs gute Qualität muss es sein, woher das Produkt kommt ist den meisten nicht wichtig. Nun sehen viele Mitmenschen erst, wie sehr wir an den asiatischen Wirtschaftsraum festhalten, wie viele Produkte nicht verfügbar sind, wo es Lieferengpässe gibt und welche Unternehmen ihre Produktionen schließen müssen, da die Lieferkette nicht mehr gewährt ist. Ich bin gespannt, wie sehr sich hier in Europa die Wirtschaft das Szenario der letzten und kommenden Wochen zu Herzen nehmen wird.

Doch was nun? Jetzt sind wir quasi dazu verdonnert, noch mind. drei Wochen Daheim zu bleiben und nur bei dringenden Tätigkeiten das Haus/Wohnung zu verlassen. Nach meiner ersten Woche home office bin ich ehrlich gesagt ein wenig begeistert, da ich bis jetzt noch nicht viel negative Aspekte gefunden habe. Klar ist die gesamte Situation sehr skuril und sureal, abgesehen davon finde ich, dass uns allen die aktuell aufgebrummte Entschleunigung bestimmt gut tut. Man lebt entspannter, das Leben läuft ruhiger ab, man braucht sich weniger unnötige Gedanken über den Alltag zu machen, wie zum Beispiel man das Wochenende verbringt. Auch die Freizeitaktivitäten sind stark eingeschränkt, kein selbt auferlegter Stress zwischen Arbeit, Sport, Freunde treffen, Shoppen usw. Es herrscht eine friedliche angenehme Stille. Zeit, die jeder für sich selbst nutzen sollte. Vielleicht gibt es die einen oder anderen Dinge, welche man sich schon sehr lange vornimmt, nur niemals die Zeit dafür gefunden hat. Oder man schafft es, endlich die ewig lange To-Do-Liste abzuarbeiten, das Haus/Wohnung zu putzen, neuen Hobbies nachzugehen, eine Fremdsprache zu lernen, ein Buch zu lesen oder – wie in meinem Fall – endlich mal wieder einen Blogeintrag zu schreiben 😉

Was ich euch unbedingt mit auf dem Weg geben möchte ist, dass nicht jede Situation so schlecht ist, wie sie vielleicht aussieht. Nützt die Zeit gut, die ihr nun für euch habt. Seid kreativ, geht raus in die Natur, überlegt euch neue Projekte und startet im April entschleunigt, motiviert und mit neuem Elan durch. Ruft euch wieder bewusst die wichtigen Dinge des Lebens in den Alltag: es zählt nicht, wie viele Dinge ein Mensch besitzt, vielmehr ist die Gesundheit, das Miteinander und die gelebten Momente das, worauf es ankommt.

Gebt auf euch und eure Liebsten acht und das wichtigste: bleibt’s gsund 🙂

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